Spartenausbildungstörn 2007:

Segeln an der türkischen Südküste von Göcek bis Bodrum.
Menschen, Natur und Kultur von See aus erlebt.

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Der Start unseres diesjährigen Segeltörns war der Ort Göcek. Ein malerischer Ort vor einer gebirgigen Kulisse gelegen mit gepflegten Uferpromenaden und voll auf Yachttourismus eingestellt. Von hier segelten wir über Aga Limani ( Drachenbucht), Marmaris, Serge Limani, Datca Hafen, Knidos, Bodrum Marina, Palamut Limani, Bozburun, Bozukkale, Ciftlik Limani, Ekincik Limani, Manastir Koyu ( Mauerbucht)  und zurück nach Göcek.
KARTE

toern07tnZum Fotoalbum des Törns:
Einige der Höhepunkte dieses Törns sind unter anderem folgende gewesen:
 
Bodrum im Norden des Golfes vom Gökova ist geprägt von den hier lebenden in- und ausländischen Künstlern. Ein Städtchen mit Bars, Restaurants und vielen Boutiquen, in denen
man stundenlang mit viel Vergnügen Handeln und Einkaufen kann.
Ein mächtiges mittelalterliches Kastell, die Kreuzritterburg St. Peter, bewacht die Bucht von Bodrum mit dem großen Hafen in dem Hunderte von Gulets liegen. Dies sind die  typischen türkischen Holzyachten mit meist zwei Masten aber fast immer ohne Segel, die an der Küste verkehren. 

An der Spitze der Datca Halbinsel liegt die antike Stadt Knidos, gegründet im 4. Jahrhundert  v. Chr. Einst zu dorischer Zeit ein blühendes Kunst- und Handelszentrum mit Theatern und Tempeln. Knidos hat zwei Häfen, ausgerichtet in die Ägäis und ins Mittelmeer. Die Überreste des Rundtempels, der Aphrodite geweiht, blicken auf beide Häfen. Im Osthafen hinter den antiken, halbversunkenen Molenköpfen, legten wir wie vor zwei Jahrtausenden an. Ankern im Museum.

Die Bucht Ekincik Limani, am Fuße dicht bewaldeter Berge, bietet eine gute Ankermöglichkeit um von hier aus mit kleinen Motorbooten ins Dalyan Delta zu fahren. Dies ist ein ausgedehntes Naturschutzgebiet mit schönen Sandstränden, den Brutgebieten von Meeresschildkröten. Durch ein Schilflabyrinth kommt man zu der antiken Stadt Kaunos und nach Dalyan. Dort gibt es  prachtvolle Felsengräber zu bestaunen, errichtet in der hohen Bergwand.

Doch nicht die quirligen Städtchen mit den unterschiedlichsten Angeboten von Restaurants, Teppichen, Silberschmuck, Lederwaren oder dem üblichen “ Touristenramsch” in den Bazaren  haben uns angezogen. Für uns am beeindruckendsten waren die kleinen, natürlichen und stillen Buchten. Hier erlebten wir die Menschen, die uns über das Leben an der Küste und das Leben in und mit der Natur am Wasser erzählten.

Da war zum Beispiel Mehmet mit seiner Familie in der Bucht Ciftlik Limani. Wir wurden freundlich in deutscher Sprache beim Anlegen empfangen und später am Abend servierte er uns ein einfaches aber sehr schmackhaftes Essen mit den Produkten der Gegend: Vorspeisen mit vielen unterschiedlichen Gemüsen aus dem eigenen Garten sowie gebratenen Fisch. Das alles genossen wir bis weit in die Nacht bei Temperaturen um die 25 Grad. Vor dem Essen durften wir noch den eigenen Gemüse- und Obstgarten besichtigen: Weintrauben, Granatäpfel , Feigen, Zitronen, Zuchini, Auberginen, Zwiebeln und Paprika in allen Größen und Farben.

Wir erinnern uns gerne an Serin in der Bucht Palamutbükü mit der Bar “Dolphin”. Dorthin hatte uns die Regatta aus Bodrum geführt. Hier, in der Kühle der Nacht, lernen wir Yas Üzüm Rakisi ( genannt Raki ) den türkischen Schnaps kennen, den uns der Wirt Serin immer wieder anbietet. Wie er uns sagt, sitzt er sonst nie so lange mit seinen Gästen zusammen. Aber wir sind eine interessante und lustige Crew für ihn. Einige  “Moruks” halten bis zum Morgengrauen durch.
Als wir dann am nächsten Vormittag vor dem Ablegen einen Abschiedsbesuch in der Bar machen, auch um die in der Nacht aufgelaufenen Schulden zu bezahlen, stellen wir fest, daß ein uns gut bekannter “Moruk” dies bereits vor uns getan hat.  Vielen Dank!
Auch war der zahme Eichelhäher mit Namen “ Hakan” keine Phantasie der Nacht. Es gibt ihn wirklich und Serin zeigt uns wie man mit ihm “schnäbelt”.


Wie üblich wurde bei dem Ausbildungstörn auch eine Regatta durchgeführt. Die Regattaleitung hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Die Regatta bestand aus mehreren Teilen: zwei Segeletappen, wegen der unterschiedlichen Bootsgrößen separat gesegelt, einem  Mann-über-Bord-Manöver, einer seemännischen Arbeit und einer landestypischen Frage.

Die erste Etappe wurde bei wechselnden Winden von 0 bis 4 Beaufort von Bodrum nach Palamut gesegelt. Das waren etwa 28 Seemeilen und dabei mußte ein Mann-über-Bord-Manöver ( PoB ) durchgeführt werden.
Als Beispiel für dieses Manöver hier ein Auszug aus dem Logbuch der Segelyacht “PHARE”:

Um 19.26 ging unser Smutje bei 4 Bft. und Vorwindkurs Steuerbord achtern über Bord. In  Form eines kleinen , runden und weißen Fenders (..hatte nichts mit seiner Haarfarbe zu tun! ) Das sofort eingeleitete P-o-B- Manöver wurde von den drei restlichen Crewmitgliedern zügig durchgeführt. Nach dem Abfallen und schnell durchgeführter Wende wurde der (Fender-) Smutje nach kurzer Zeit  ( ca. 90 Sek. ) an Steuerbord wieder an Bord geholt.                       
( Im Hafen wurde dann vom Smutje aus Dankbarkeit für die schnelle Rettung wieder ein tolles Abendessen gekocht und serviert. )

Teil zwei der Regatta ging vom Hafen Bozburun nach Bozukkale. Das waren ca. 26 Seemeilen.
Als Aufgabe für die praktische Seemannschaft mußte ein Augspleiss angefertigt werden und außerdem die Frage: Was ist ein “Nazur Boncuk”? beantwortet werden.*)

Beim gemeinsamen Abschlußessen am letzten Abend in Göcek wurde die Regatta ausführlich diskutiert, gefeiert und Urkunden und Geschenke verteilt. Natürlich gab es dabei nur Sieger!

*)  “Nazur Boncuk” - Stein des bösen Blicks. Es handelt sich um das bekannte Schutzamulett, das blaue Auge. Das bekamen dann auch alle Regattateilnehmer als weiteres Geschenk.

Fazit:
In den zwei Wochen gab es alles, was sich Segler und Wassersportler nur wünschen können: Vorwindkurse, Amwindkurse, alle Windstärken zwischen null und sieben. Malerische Buchten, zum Schwimmen und zum Tauchen und das Leben über und unter Wasser zu beobachten: Tintenfische, Schildkröten, Krabben und natürlich farbenprächtige Fische in allen Größen sowie eine Schule von Delphinen wurde gesichtet.
Die Türkei, die wir erlebt und gesehen haben, ist wahrlich einen weiteren  Besuch wert!

Hartmut Lübbert

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