Seefahrt ist Not

Sicherheitstraining für Hochseesegler

Vor Beginn der neuen Segelsaison Iud die Sparte alle Mitglieder zum Sicherheitstraining ein. Auf dem Klubgelände fand mit ersten Informationen und dem Abfeuern der Seenotsignale der erste Teil des Trainings statt. Für den Teil 2 trafen sich die rund 40 Segler zum Lifetest mit einer Rettungsinsel im Hallenbad Klostergarten, Sindelfingen.

Es war wieder frisch geworden. Vereinzelte auf die frierenden Teilnehmer herabrieselnde Schneeflocken ließen so gar keine maritime Stimmung aufkommen. Dennoch, unter bewährter Leitung von Hermann Hauck, wurde das Training auf dem Sportplatz durchgezogen. Er erklärte die Unterschiede der Signalmunition, jede/r durfte sie vor einem Trainingsschuss auch in die Hand nehmen. Grün, weiß und rot. »Grün« ist für den Startschuss bei einer Regatta und »Weiß« markiert bestimmte Positionen. Doch »Rot« soll Leben retten. Bei »Rot« ist es sehr, sehr ernst. Aus diesem Grund wurde sogar der Flughafen in Echterdingen über unser Sicherheitstraining informiert. Denn auch zu Land bedeutet : »Rotschießen« immer den Notfall. Und wer zu Wasser nur so aus Spaß »Rot« schießt, kommt mit seiner (Bord-) Kasse für die Kosten einer unnötigen Rettungsaktion auf. Eindringlich wies Hermann Hauck darauf hin und instruierte die interessierten nun über die korrekte Handhabung mit der Signalpistole und der Munition.

Dann knalIte es laut und vernehmlich, jede/r durfte einmal Hand anlegen. Bis zu 120 Meter stiegen die kleinen Signale hoch. Die Köpfe reckten sich jedes Mal gen Himmel, wenn die großen Signalraketen mit lautem Getöse in bis zu 300 Meter Höhe abzischten. Die hoch gereckte Abschusshand verspürte jetzt schon einen ganz deftigen Rückschlag. Die Rakete verschwand plötzlich in den tiefhängenden Wolken. Leuchtend rot erschien sie wieder, leicht schwankend an einem kleinen Fallschirm.

Nach einer Stunde war das frostige Feuerwerk beendet. Jetzt freuten sich die frierenden Teilnehmer auf die Übung mit der Rettungsinsel im mollig warmen Hallenbad. Wem es draußen auf dem Sportplatz zu frisch war, dem wurde es nun im Bad zu warm. Bereits der Einstieg in die Wetterschutzkleidung, immer noch als »Ölzeug« bezeichnet, erzeugte im schwülen Badklima die ersten Schweißtropfen. Da standen sie nun, wie Marsmenschen: in bunter Schutzkleidung, um den Hals die Schwimmweste, um den Bauch den Life-Belt, mit Gummistiefeln an den Füßen. Bei den einleitenden und kompetenten Erklärungen von Hermann Hauck wischte sich so mancher sanft perlende Schweißtropfen von der Stirn. Lustig sahen sie aus und lustig war auch die Übung mit der Rettungsinsel im ruhigen, 250 C warmen Wasser des Hallenbades.

Doch bei realistischer Vorstellung dieser Situation, sprich, bei einem echten Seenotfall, ist es aus mit Lustig. Dort kann es nur ganz bitter ernst werden. Wer bei entsprechendem Seegang von einem sinkenden Boot in die schaukelnde Insel springen muss, ist wahrlich nicht zu beneiden. Und wer gar bei Windstärke 10 versucht, aus dem Wasser die Insel zu entern, der muss schon in einer guten bis sehr guten Kondition sein. Nicht nur körperlich – auch mental.

Es mag ja in Ufernähe auf dem Bodensee noch erträglich sein, doch einige Tage und Nächte auf dem Ozean in so einer Rettungsinsel müssen unerträglich werden. So manch einer hat nach fröhlicher Planscherei gemeint: »Wenn ich bloß nie in so eine Situation komme!« Deshalb heißt bei den Seglern das Motto: »Safety first!« Ein Törn darf eben nur unter Einbeziehung aller Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden.

Ich glaube, das haben wohl alle gelernt!

Uwe Jens

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