Die Planung eines Spartentörns -
- aus der Sicht des Skippers und eines Smutjes.
Eine (un)wahre Geschichte über Vorbereitungen für einen Segeltörn an der französischen Atlantikküste. Oder: Wie sich Jakobus, kochbegeisteter Neusegler, auf seinen ersten Hochseetörn vorbereitet.
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Was hatte Jakobus schon alles von seinen segelnden
Freunden über die kulinarischen Zustände an Bord einer Segelyacht gehört. Es wurde immer wieder berichtet, wie von allen Organen beim Segeln der Magen am meisten in Mitleidenschaft gezogen wird. Nicht nur durch die
Seekrankheit, sondern viel mehr durch den oft grausamen Fraß auf den Törns. Es war die Rede von vollen Pfannen mit Gebratenem meist schon früh am Morgen. Oder von enormen Gemeinschafts- (fr)essereien aus
Konservenbüchsen bis spät in die Nacht hinein.
Bei diesen Erzählungen wurde ihm klar, dass die gesunde und gerötete Gesichtsfarbe vieler Segler meist von zu hohem Blutdruck kommen musste, und weniger von der
frischen Luft. Das wollte er ändern.
Das alles im Sinn nahm er die Anweisungen seines Skippers zur Törnvorbereitung entgegen:
"Bitte nimm Dein eigenes Besteck mit, jeder angehende Segler sollte eins haben!"
Jacques (so wurde der Neusegler wegen seiner Kochkünste von der Crew genannt) machte sich sofort
Gedanken: Er würde einen neuen Satz Küchenmesser für die verschiedenen Verwendungszwecke kaufen. Ausserdem natürlich eine Hummerzange, ein spezielles Messer zum Öffnen von Austern und jede Menge Korkenzieher.
" Mach' schon einmal eine Grobplanung für jeden Tag des geplanten Törns!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Er würde für jeden Tag einen Zeitplan aufstellen, wann er das
Frühstück der Crew in der Koje servieren würde. Wann Mittag- und wann Abendessen auf den Tisch kommen würde. Sollte einmal Nachtwachen beim Segeln angesagt sein, würde er dafür sorgen, dass sich alle
freiwillig, dank seiner Beschreibung des geplanten Nachtessens dazu melden würden.
" Wir wollen uns jeden Tag ein neues Ziel setzen. Das ist der Reiz des Segelns, mach Dir einmal Gedanken darüber!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Jeden Tag sollte etwas Neues auf den Tisch. Nichts sollte sich
wiederholen. Immer neue Überraschungen wollte er auftischen. Schon vor den einzelnen Mahlzeiten würde er mit geheimnisvollen Andeutungen die Magensäfte seiner Crew anregen. Er war sich sicher, dass er damit den
Törnverlauf entscheidend beeinflussen würde. Die Crew würde die Tagesplanung einzig auf die Mahlzeiten ausrichten, sich vor dem Nachtisch weigern, den Ankerplatz zu verlassen und die Ankuftzeiten in den
Yachthäfen nicht nach Tide sondern streng nach Kochzeiten ausrichten.
" Wir sollten gutes Ersatzöl mitnehmen, man weiss nie, was so alles an Bord vorhanden ist!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Fast beleidigt dachte er, dass man ihn mit schlechtem Olivenöl in
Verbindung bringen könne. Er kannte sich über Herkunft und Säuregehalt von Öl bestens aus und würde natürlich sein erprobtes Kreta-Olivenöl mitnehmen.
" Denke daran, persönliche Gebrauchsgegenstände mitzunehmen, dann tut man sich auf dem Törn leichter!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Er würde seine beste Pfanne mitnehmen. Dazu nur Küchenbehälter
und -werkzeuge aus Niro. Keine Kunststoffteile, die meist neben dem Kocher dahinschmelzen. Ausserdem, und das wusste er schon als Neusegler, einen gebogen Nagel zum Öffnen von Schäkeln, zum Nägelreinigen
und um Küchenreste aus den Ritzen der Bodenbretter zu kratzen.
" Wir sollten auch auf stürmische Törntage vorbereitet sein!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Also auch ein "Eintopfrezept" musste vorbereitet werden. Dazu einige
Tampen, um auch bei 25 Grad Schiffkrägung alles unter Kontrolle zu halten. Er würde immer zur vorgesehenen Zeit das Essen bereithalten, wie die Crew damit dann fertig werden würde, war nicht sein Problem..
" Wir müssen umfangreiche Unterlagen mitführen, um uns jederzeit auf See und an Land zurecht zu finden!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Er würde also besser einige weitere Kochbücher mitnehmen.
Keiner sollte ihm ein Versäumnis vorwerfen können, nicht genug Rezepte an Bord zu haben. Ausserdem war da noch sein umfangreiches Kräuter- und Gewürzbuch. Er wäre damit exzellent vorbereitet, um auch in fremder Umgebung sofort das Beste für seine Crew zu finden.
" Ich hoffe, für uns alle wird das ein erlebnisreicher und unvergesslicher Törn!"
Jacques machte sich sofort Gedanken: Sie würden am letzten Tag vor ihm niederknien, ihn auf Händen von
Bord tragen und ihn flehentlich bitten, beim nächsten Mal wieder bei IHM persönlich mitsegeln zu dürfen.
Wer immer dann der Skipper sein würde!
Hartmut Lübbert

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